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Inangas Erziehung

Eins vorab: Ich möchte hier keine guten Ratschläge geben. Dafür gibt es zum Glück Leute, die mehr Erfahrung haben. Aber vielleicht ist die Schilderung der Stationen, die ich als RR-Anfänger bei Inangas Erziehung durchlaufe, für den ein oder anderen doch interessant.
Nachdem endlich die Entscheidung getroffen wurde, dass uns zukünftig eine RR-Hündin begleiten würde, war von vornherein klar, dass der Hund so ausgebildet wird, dass er ein zuverlässiger Begleiter sein sollte. Dass dieses nicht ganz einfach werden würde, konnte man ja schon aus diversen Büchern herauslesen, in denen er meist als recht selbständiger und sensibler Hund beschrieben wird.

Ich las also schon vorab einiges an Literatur, um zumindest die Grundlagen abchecken zu können. Im Nachhinein kann ich sagen, dass das meiste davon sicherlich nicht das Richtige war; aber zum Glück war der Hund ja noch nicht da und meine Vorstellung von Hundeerziehung fand vorerst nur in der Theorie statt. Klar war aber von Anfang an, dass wir direkt zu einer Hundeschule gehen und vor allen Dingen die Welpengruppe besuchen wollten.
Ich habe dann einige Mal den Chat im RR-Forum besucht und bekam hier u.a. die Telefonnummer von der Hundeschule Fiffikus (noch mal vielen Dank an alle Beteiligten).

Inanga war 9 Wochen alt, als wir super aufgeregt dann das erste Mal beim Welpentreffen waren. Es war klasse; hier konnte Inanga mit Gleichaltrigen spielen, unterbrochen von leichten Erziehungsübungen mit Leckerchen und Spielzeug. Während wir danach noch Theorie hatten, konnten die Welpen schlafen und nutzten gerade in den ersten Wochen die Gelegenheit zum Kontaktliegen. Und wir lernten etwas über positive Bestärkung, Leinenführigkeit ohne Leinenruck, Einordnung des Hundes in das Menschenrudel, viele Arten der Beschäftigung des Hundes, Kinder mit Hunden und umgekehrt, etc. etc. Eigentlich war fast alles neu für uns und die meisten vorher beschlossenen Theorien kippten hier, den Rest liess Inanga in der Praxis kippen.

In den ersten Wochen hatten wir auch das Gefühl recht erfolgreich zu sein. Inanga lernte dank Leckerchen& Co. recht schnell Kunststückchen aller Art, kam relativ sicher zu uns und war auch schon nach zwei Wochen bis auf wenige Ausnahmen stubenrein. Schnell merkten wir aber auch, dass Futter- und/oder Spielmotivation bzw. hohe Rufstimmen oder lustige Albereien, bei denen andere Hunden schier ausflippten, unsere Nangi noch lange nicht hinterm Ofen hervorlockten. Sie erstarrte dann häufig und machte einfach nichts mehr.

Nun gut, man kann ja fast überall lesen, dass RR nicht so leicht motivierbar sind, zu intelligent sind einen weggeworfenen Ball mehr als zweimal aufzuheben und nicht gerne apportieren. Die meisten mögen auch kein Wasser und überhaupt sind RR nunmal RR.

Eigentlich weigerte ich mich strikt, mich dieser Meinung anzuschliessen, aber je älter Inanga wurde, desto schwieriger wurde es, sie zu motivieren. Sie wurde selbstständiger, entfernte sich immer weiter, liess uns häufig wie Puppen in einem Kasperletheater aussehen, die vergebens versuchen, die Kinder zum Lachen zu bringen. Sie machte "dicht" sobald Übungen schwieriger wurden. Zum Glück kam sie immer wenn wir ausser Sicht waren. Wir mussten uns nur hinter einem Baum verstecken und schon kam und kommt sie noch heute angelaufen. Auch war sie in vielen anderen Dingen sehr einfach zu handeln. Ihr Verlangen andere Leute oder gar Kinder anzuspringen war relativ gering. Und auch Jogger und Fahrradfahrer waren, dank konsequentem Heranrufen mit Gabe von Superleckerchen, vor ihr einigermassen sicher (Ausnahmen bestätigen hier natürlich die Regel).

Als Inanga ca. 6 Monate alt war schaute ich auf der RR-Seite mal unter die Rubrik Hundetrainer und entdeckte dort die Info von Dr. Ute Blaschke-Berthold. Die Beschreibung der Seminare las sich recht anspruchsvoll und mein erster Gedanke war, dass Inanga so schwierig ja doch nicht ist und eigentlich noch viel zu jung sei, um direkt bei einer Verhaltenstherapeutin anzustehen. Aber mein Interesse war doch groß und schließlich meldeten wir uns zu einem der Seminare an.

Und siehe da, weder war Inanga zu jung, noch dachte jemand meine Probleme seien winzig. Wir bekamen einen hervorragenden Einblick in die Hundepsyche, wurden auf weitere Schwierigkeiten, die RR häufig in ihrer pubertären Phase zeigen, schonend vorbereitet (dachten aber trotzdem uns passiert das nicht) und lernten Grundlagen des Clickertrainings kennen.

Wieder Zuhause gelang es uns durch kürzere Spielsequenzen und spannendere Versteckspiele, kleine Fährten und noch viel kürzere Trainingseinheiten bei der Unterordnung, dass Inanga uns wieder mehr Aufmerksamkeit schenkte. Mit neun Monaten wurde sie dann das erste Mal läufig und danach hatte sie, ich denke vor allem wegen der hormonellen Umstellung, eine sehr unsichere Phase und war daraus resultierend recht anhänglich. Dank des vorangegangenen Training an der langen Leine, war sie aber auch nach dieser Phase immer in unserer Nähe, so dass wir sie bei nahenden Gefahren, wie radfahrenden, wimpeltragenen Kindern oder weissen Hosen bzw. Mänteln recht schnell unter Kontrolle hatten.

Auf einem zweiten Seminar im Frühjahr zeigte Ute uns u.a. das Video von Turid Rugaas über die Calming Signals und endlich konnte ich auch mit meinen Problemen bei der "Unterordnung" besser umgehen. Beim Clickertraining klickte es endlich auch bei mir und ich glaube den letzten Druck den ich mir in der Hundeschule immer noch machte verflog nun endgültig. Ich lernte und lerne immer noch mich auf meinen Hund einzustellen und bemühe mich, jeglichen Druck aus der Beziehung rauszunehmen. Inanga schafft es oft, mir meine Grenzen aufzuzeigen und überrascht mich dann wieder mit Aktionen, die ich ihr noch gar nicht zugetraut hätte.

Mittlerweile bewältigt sie recht zuverlässig Schleppfährten und apportiert das Geschleppte immer zurück. Sie mag Agility, wenn man die Übungssequenzen kurz genug hält und auch beim Flyball hat sie wirklich Spaß. Das Werfen von Bällen findet sie nach wie vor doof, aber durch einen Zufall haben wir entdeckt, dass sie es spitze findet wenn wir den Ball wegtreten.
Ich denke dass dann endlich die Geschwindigkeit stimmt, die Ballspielen interessant macht. Obwohl sie nicht der größte Fan von Spaziergängen im Regen ist, schwimmt sie bei entsprechenden Temperaturen sehr gerne.

Nach ihrer zweiten Läufigkeit kam dann das, was wohl kommen musste. Wenn bisher alle Hundebegegnungen absolut ohne Probleme verlaufen waren, begann sie nun, sich differenzierter zu verhalten. Welpen, vor allem solche die sich stark unterwürfig verhalten, wurden sofort angebrummt. Jüngere Hündinnen aber auch Rüden die Unsicherheiten zeigten, oder gar wegliefen wurden plötzlich gejagt oder zumindest angegrölt.

An mangelnder Sozialisierung konnte es nicht liegen; täglich treffen wir fremde und bekannte Hunde mit denen sie spielen kann und schlechte Erfahrungen hat sie in der ganzen Zeit nicht gemacht. Es schien einfach ihre Art und Weise zu sein Unsicherheiten zu überspielen und möglichst schnell abzuchecken mit wem sie es zu tun hat. Übrigens, Hunde die sie einmal kennt, egal ob alt oder jung, Hündin oder Rüde, werden je nach Status entweder freudig begrüsst oder komplett ignoriert.

Wenn ich heute fremde Hunde sehe, nehme ich Inanga an die LANGE Leine und bitte die Entgegenkommenden meist ihre Hunde ruhig weiter frei laufen zu lassen. Inanga füttere ich derweil mit Leckerchen, damit sie mit dem entgegenkommenden Hund etwas Positives verbindet. Bögelt der andere Hund weit um sie herum konzentriere ich sie weiter aufs Futter und vermeide eine evtl. Hetzerei, nimmt der andere Hund von sich aus Kontakt auf, lasse ich die Leine ganz locker oder los und lasse sich die Beiden begrüssen; Probleme gibt es dann keine mehr. Es gibt zwar nicht viele Hundebesitzer die sich darauf einlassen, aber den ein oder anderen konnte ich doch schon überzeugen. Und dafür bin ich wirklich dankbar, denn dadurch konnte ich ihr Verhalten zwar nicht ganz abstellen, aber immerhin in kontrollierte Bahnen lenken.

Inanga hat sich wirklich zu dem Hund gemausert, den ich mir immer gewünscht habe. Sie ist ein toller "Allesbegleithund" mit dem ich viel Spass habe. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sie noch die eine oder andere Überraschung für mich bereit hält.

 

schnelle faehrte
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